Belgien bei der WM 2026 — Rote Teufel in Gruppe G

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Es gab eine Zeit — sie liegt nicht lange zurück —, da stand Belgien auf Platz eins der FIFA-Weltrangliste. Hazard, De Bruyne, Lukaku, Courtois, Kompany — die „Goldene Generation“ der Roten Teufel war das vielleicht talentierteste belgische Team aller Zeiten. Und trotzdem: kein Titel. Nicht bei der WM 2018, wo das Halbfinale das Maximum war. Nicht bei der EM 2020, wo Belgien im Viertelfinale an Italien scheiterte. Nicht bei der WM 2022, wo das Gruppenaus — die tiefste Demütigung — den Anfang vom Ende markierte. Jetzt, bei der WM 2026, steht Belgien vor der Realität des Generationenwechsels: Hazard hat seine Karriere beendet, Kompany ist Trainer bei Bayern München, und die Frage lautet nicht mehr „Kann Belgien den Titel gewinnen?“, sondern „Wie weit kann die neue Generation kommen?“. Gruppe G mit Iran, Neuseeland und Ägypten ist eine der leichtesten des Turniers — und genau der richtige Ort, um eine Antwort auf diese Frage zu finden.
Generationswechsel — das Ende einer Ära und der Anfang einer neuen
Der belgische Generationswechsel ist weniger dramatisch, als die Schlagzeilen vermuten lassen. Kevin De Bruyne, 35 Jahre alt bei der WM 2026, wird voraussichtlich noch dabei sein — und er allein hebt die Qualität des Kaders um ein ganzes Level. De Bruynes Passqualität, sein Spielverständnis und seine Fähigkeit, entscheidende Momente zu kreieren, sind trotz seines Alters auf dem Niveau der absoluten Weltspitze. Bei Manchester City bleibt er die zentrale Figur, und für die Roten Teufel ist er der Spieler, der den Übergang von der alten zur neuen Generation überbrückt.
| Spieler | Position | Verein | Länderspiele | Alter |
|---|---|---|---|---|
| Thibaut Courtois | Tor | Real Madrid | 108 | 34 |
| Timothy Castagne | Rechtsverteidigung | Fulham | 40 | 30 |
| Arthur Theate | Innenverteidigung | Al-Ittihad | 18 | 26 |
| Amadou Onana | Defensives Mittelfeld | Aston Villa | 30 | 24 |
| Kevin De Bruyne | Offensives Mittelfeld | Manchester City | 105 | 35 |
| Jérémy Doku | Linksaussen | Manchester City | 28 | 24 |
| Lois Openda | Stürmer | RB Leipzig | 22 | 26 |
| Romelu Lukaku | Stürmer | Napoli | 118 | 33 |
Romelu Lukaku mit 33 Jahren bringt weiterhin Tore, auch wenn seine Geschwindigkeit nicht mehr die von 2018 ist — bei Napoli hat er in der Serie A regelmässig getroffen und bewiesen, dass sein Instinkt im Strafraum nicht altern kann. Thibaut Courtois im Tor ist nach seiner Kreuzbandverletzung zu Real Madrid zurückgekehrt und gehört weiterhin zu den drei besten Torhütern der Welt — seine Paraden in der Champions League haben gezeigt, dass die Verletzung keine Spuren hinterlassen hat. Die „neue Generation“ dahinter ist solide, wenn auch nicht so glamourös wie die Vorgänger: Jérémy Doku (Manchester City) bringt ein Dribbling-Tempo auf dem Flügel mit, das in der Premier League seinesgleichen sucht, Amadou Onana (Aston Villa) liefert Physis und Durchsetzungsvermögen im Mittelfeld, Lois Openda (RB Leipzig) hat in der Bundesliga bewiesen, dass er als zweiter Stürmer neben Lukaku Tore liefern kann. Trainer Domenico Tedesco hat die Mannschaft nach dem WM-Debakel 2022 in Katar — Gruppenaus mit einem Punkt aus zwei Spielen — stabilisiert und bei der EM 2024 das Achtelfinale erreicht — kein Glanzstück, aber ein solides Fundament für den Neuaufbau.
Die WM-Qualifikation verlief ohne grössere Zwischenfälle: Platz eins in der Gruppe, sieben Siege und drei Unentschieden in zehn Spielen, 21:7 Tore. Die Mannschaft hat einen pragmatischeren Stil entwickelt als die Goldene Generation — weniger individuelle Brillanz, mehr kollektive Disziplin, mehr Fokus auf das Ergebnis als auf das Spektakel. De Bruyne orchestriert weiterhin das Spiel, aber die Mannschaft ist nicht mehr so abhängig von ihm wie früher. In den vier Spielen, in denen De Bruyne fehlte, gewann Belgien dreimal und spielte einmal unentschieden — ein ermutigendes Zeichen dafür, dass der Kader breiter aufgestellt ist als in der Vergangenheit und dass Tedescos System auch ohne den Superstar funktioniert.
Gruppe G — eine Chance zur Rehabilitation
Gruppe G ist ein Geschenk für Belgien — und gleichzeitig eine Falle, die exakt so aussieht wie die Gruppe bei der WM 2022, die zum Debakel wurde. Iran, Neuseeland und Ägypten sind keine Teams, die die Roten Teufel auf dem Papier ernsthaft bedrohen sollten. Aber genau das hat man bei der WM 2022 über Marokko und Kanada auch gesagt, und am Ende stand Belgien mit einem Punkt aus zwei Spielen da und flog als Gruppendritter raus — hinter Marokko und Kroatien, ausgeschieden im einzigen Turnier, das die Goldene Generation hätte gewinnen können. Die Lehre aus Katar: Belgien muss jeden Gegner ernst nehmen, egal was die Weltrangliste oder die Wettquoten sagen.
Iran bringt die asiatische Kampfstärke mit, die in der WM-Geschichte immer wieder für Überraschungen gesorgt hat — taktisch diszipliniert, physisch robust, und in der Lage, Spiele durch kompakte Defensive und schnelle Konter zu entscheiden. Bei der WM 2022 besiegte Iran Wales 2:0 und verlor gegen die USA nur 0:1 in einem Spiel, das bis zur letzten Minute offen war. Mehdi Taremi, falls noch im Kader, ist ein Stürmer von europäischem Niveau, und die iranische Mannschaft hat in der asiatischen Qualifikation bewiesen, dass sie auch unter Druck Ergebnisse liefern kann. Ägypten mit Mohamed Salah — der mit 34 Jahren vermutlich sein letztes grosses Turnier spielt — hat den prominentesten Einzelspieler der Gruppe und eine Mannschaft, die beim Afrika-Cup regelmässig die Endphase erreicht. Salah allein kann ein Spiel entscheiden, und Belgiens Verteidigung muss sich auf einen der besten Flügelspieler der Premier-League-Geschichte einstellen. Neuseeland ist der Aussenseiter und wird für Belgien eine Pflichtaufgabe sein, die mit drei Punkten und klarem Torverhältnis erledigt werden muss.
Meine Prognose: Belgien gewinnt die Gruppe mit sieben bis neun Punkten und nutzt die Gruppenphase, um Spielrhythmus und Selbstvertrauen aufzubauen — beides Elemente, die bei der EM 2024 fehlten und die Tedesco über drei Gruppenspiele entwickeln muss, bevor es in der K.-o.-Runde ernst wird. Das entscheidende Spiel wird Belgien gegen Ägypten — ein Duell, das über den Gruppensieg entscheiden kann und in dem De Bruynes Kreativität gegen Salahs Geschwindigkeit den taktischen Rahmen bildet.
Wettquoten und Prognose
Die Buchmacher bewerten Belgien bei der WM 2026 mit Quoten zwischen 25.00 und 35.00 auf den Turniersieg — das ist die dritte Reihe, hinter den sechs grossen Favoriten und auf Augenhöhe mit Kroatien und Dänemark. Mein Modell kommt auf eine Titelwahrscheinlichkeit von drei Prozent, was dem Markt entspricht und realistisch ist: Belgiens Kader hat nicht mehr die Tiefe der Jahre 2018–2022, und der Generationenwechsel ist noch nicht abgeschlossen. Das Weiterkommen aus der Gruppenphase liegt bei 1.15 — ein solider Wert, der die leichte Gruppe reflektiert und kaum Value bietet.
Der realistischste Markt für belgische Wetten ist das Viertelfinale: Bei einer Quote von 3.50 und einer von mir geschätzten Wahrscheinlichkeit von 32 Prozent sehe ich einen leichten Value, der auf De Bruynes Einfluss in K.-o.-Spielen und Courtois‘ Klasse im Tor basiert. Beide Spieler haben in ihren Vereinen bewiesen, dass sie in den grössten Spielen die grössten Leistungen bringen — und genau das ist es, was ein Turnier verlangt. Bei einem Einsatz von 100 CHF auf „Belgien erreicht das Viertelfinale“ bei einer Quote von 3.50 läge der potenzielle Gewinn bei 250 CHF — ein attraktives Profil für Wetter, die an De Bruynes letzte grosse Mission glauben. Detaillierte Vergleiche gibt es in der WM 2026 Teamübersicht.
Abschied und Aufbruch
Belgien bei der WM 2026 ist ein Team zwischen zwei Epochen. Die Goldene Generation nimmt ihren letzten Vorhang — De Bruyne, Lukaku, Courtois werden in vier Jahren bei der nächsten WM kaum noch dabei sein. Was bleibt, ist eine Mannschaft, die weniger glamourös, aber vielleicht stabiler ist als ihre Vorgänger. Gruppe G ist die Chance, das Desaster von 2022 vergessen zu machen und mit Selbstvertrauen in die K.-o.-Runde zu gehen. Was danach kommt, hängt von der Tagesform ab — und von der Frage, ob De Bruyne ein letztes Mal seine Magie entfaltet.